GFL - Playoffs Vorschau


Während die 52. Saison der NFL am vergangenen Wochenende gestartet ist, geht in Deutschland das Rennen um den Einzug in den 39. German Bowl in die heiße Phase.

GFL - Playoffs Vorschau
GFL Playoffs 2017
Quelle: German Football League

Nachdem sich die 16 Erstligisten – unterteilt in zwei Staffeln - in der regulären Saison in jeweils Hin- und Rückspiel positioniert haben, geht es für die acht besten Teams Deutschlands nun in die Playoffs. Die jeweils schlechteste Mannschaft der beiden Staffeln muss indes in einer Abstiegsrelegation um ihre Erstliga-Zugehörigkeit bangen.

Aus der Nordstaffel haben sich für die Playoffs qualifiziert: Titelverteidiger New Yorker Lions Braunschweig, die Kiel Baltic Hurricanes, die Dresden Monarchs und die Berlin Rebels. Aus dem Süden sind die Schwäbisch Hall Unicorns, Frankfurt Universe, die Marburg Mercenaries und die Ingolstadt Dukes dabei. Derweil müssen Berlin Adler und die Saarland Hurricanes jeweils in die Abstiegsrelegation.

 

Der Favorit: Die New Yorker Lions Braunschweig

Der große Favorit auf den Gewinn des German Bowls, der am 7. Oktober ab 18 Uhr im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ausgetragen wird, ist der Titelverteidiger – die New Yorker Lions. Die Braunschweiger sind ungeschlagen durch die bisherige Saison marschiert, stellen mit 609 erzielten Punkten die beste Offense Deutschlands und mit 132 zugelassenen Punkten die zweitbeste Defense.

Zudem bewiesen die Lions, die von Head Coach Troy Tomlin trainiert werden, bereits auf internationaler Ebene, dass sie nicht nur Deutschlands Nummer eins sind, sondern wohl auch in Europa Ihresgleichen suchen. Im Eurobowl kam es zum deutsch-deutschen Duell mit Frankfurt Universe, die mit 55:14 deklassiert wurden.

Für die Lions kann es daher in dieser Saison nur ein Ziel geben: Den Gewinn ihrer zwölften Meisterschaft, den Gewinn ihres fünften deutschen Meistertitels in Folge – pünklich zum 30-jährigen Vereinsjubiläum.

Dabei setzen die Braunschweiger vor allem auf ihren US-Quarterback Casey Therriault, der mehrfach knapp vor einem NFL-Engagement stand und die Offense des großen Favoriten auf dem Feld anführt. Wichtige Anspielstationen in der Offense sind dabei die deutschen Wide Receiver Niklas Römer und Jan Hilgenfeldt, sowie Nathaniel Morris. Entlastet wird das Laufspiel von Runningback David McCants, der in dieser Spielzeit seine 10.000 Lauf-Yards in der GFL vollendet hat.

 

In den Playoffs sind die Ingolstadt Dukes Gegner im Viertelfinale und gewiss klarer Außenseiter.

 

Der Herausforderer: Die Schwäbisch Hall Unicorns

Zuletzt hieß es dreimal in Folge im German Bowl Lions gegen Unicorns, jeweils mit dem besseren Ende für Braunschweig. In der ersten Saison unter Head Coach Jordan Neuman wollen die Haller das Blatt nun wenden. Nachdem Siegfried Gehrke die Unicorns 26 Jahre lang trainiert, in die deutsche Spitze und 2011 und 2012 zu insgesamt zwei deutschen Meistertiteln geführt hatte, sind die Neuman-Mannen anno 2017 ungeschlagen durch die bisherige Spielzeit marschiert.

Dabei war die Offense wie die Defense gleichermaßen am Erfolg beteiligt. Mit insgesamt 561 erzielten Punkten war der Angriff staffelübergreifend der viertstärkste der GFL. Die Defense war mit 250 zugelassenen Zählern die drittbeste der Liga.

Angeführt wird die Mannschaft dabei von dem deutschen Quarterback Marco Ehrenfried, der in der Südstaffel einmal mehr die stärksten Pass-Statistiken erzielte. Die Receiver Tyler Ruthenbeck, Aurieus Adegbesan und Nathaniel Robitaille sind dabei die gefährlichsten Anspielstationen – unterstützt von Runningback Jerome Manyema.

Im Viertelfinale zum German Bowl kommt es zum Wiedersehen mit den Berlin Rebels, mit denen man sich bereits 2016 in gleicher Runde getroffen hatte. Damals hatten sich die Unicorns nur knapp mit 24:14 durchgesetzt und sollten daher in dieser Spielzeit besonders wachsam sein.

 

Im erweiterten Kreis: Frankfurt Universe, die Kiel Baltic Hurricanes und die Dresden Monarchs

 

Frankfurt Universe

Im zweiten Jahr ihrer Erstliga-Zugehörigkeit gehört Samsung Frankfurt Universe bereits zu den ambitioniertesten Teams und zum erweiterten Favoritenkries. Wie schon im ersten Jahr gelang den Frankfurtern die Qualifikation für die Playoffs als Staffelzweiter. Wie im Vorahr einzig zweimal geschlagen von den Schwäbisch Hall Unicorns.

Schon beim 14:18 am 10. GFL-Spieltag hatten die Frankfurter die Haller am Rande einer Niederlage. Balsam für die Frankfurter Seele, die vor allem mental an der deutlichen Eurobowl-Niederlage zu knappsen hatte, hatte sich die Mannschaft von Head Coach Markus Grahn doch bereits näher an der absoluten Spitze gesehen.

Doch im Saisonverlauf bewiesen die „Men in Purple“, dass ihre Offense (ligaweit mit 588 Punkten die zweitbeste) und ihre Defense (mit nur 125 zugelassenen Punkten die Nummer eins der Liga) eigentlich höchsten Ansprüchen gewachsen ist. Dabei muss der nachverpflichtete Jaleel Awini aus den USA die Mannschaft als Quarterback anführen, nachdem der etatmäßige Spielmacher Mike Wegzyn sich eine Verletzung zugezogen hatte.

Der Star des Teams ist vor allem Runningback Silas Nacita, der neben dem laufstarken Awini als Ballträger unverzichtbar für die Universe ist. Die weiteren Stars sind der österreischiche Linebacker  Dustin Illetschenko und US-Cornerback John Tidwell, der NFL-Erfahrung von den Denver Broncos mit in die GFL gebracht hat. In der Runde der letzten Acht kommt es zwischen den Frankfurtern und den Dresden Monarchs zum wohl spannensten der vier Duelle. Dabei wollen die Frankfurter als erstes Ziel das erste Playoff-Spiel ihrer Vereinsgeschichte gewinnen – im Vorjahr war gleich im Viertelfinale gegen die Kiel Baltic Hurricanes Schluss gewesen.

 

Kiel Baltic Hurricanes

Die Sehnsucht der Hurricanes nach ihrem zweiten Meistertitel ist groß. 2010 durften sich die Schleswig-Holsteiner nach einem Sieg gegen Berlin Adler die Krone des deutschen Football-Sports aufsetzen. In den zwei Jahren vor dem Titelgewinn und in den zwei Jahren danach waren die Nordlichter zudem Teilnehmer im German Bowl gewesen. Somit warten die Hurricanes seit nunmehr fünf Jahren auf die sechste Finalteilnahme.

Mit der fünftbesten Offense und der sechstbesten Defense der GFL haben sich die Hurricanes als Zweiter der Nordstaffel also in eine hervorragende Position gebracht. Leader der Offense ist dabei Quarterback Jared Stegman, der in der regulären Saison beim 68:13 bei Berlin Adler den Vereinsrekord von acht Touchdown-Pässen in einem Spiel von Blake Bolles aus dem Jahr 2015 eingestellt hatte.

Dabei bedient der US-Amerikaner gleich eine ganze Reihe von starken Passempfängern gleichermaßen. Allen voran Xavier Mitchell, Kwame Ofori und Diego Sanchez. Zudem erwies sich Runningback Chris McClendon als überaus starke Angriffs-Option

Im Viertelfinale gegen die Marburg Mercenaries sind die Kieler klar favorisiert und würden dann im Halbfinale auf den Sieger der Partie Schwäbisch Hall gegen Berlin treffen.

 

Dresden Monarchs

Der einzige ostdeutsche Vertreter in den Playoffs hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe in Football-Deutschland entwickelt. In den letzten fünf Jahren standen die Dresden Monarchs jeweils mindestens im Halbfinale, 2013 reichte es sogar für den Sprung in den German Bowl, wo man allerdings den New Yorker Lions unterlag.

Die Monarchs anno 2017 sind aber erneut ein aussichtsreicher Kandidat für das Halbfinale, womöglich sogar für eine erneute Finalteilnahme. Die Gründe dafür liegen vor allem in der drittstärksten Offense der GFL, die in Quarterback Garrett Safron und Wide Receiver Sebastian Sagne ein kongeniales Duo in ihren Reihen hat. Aber auch der deutsche Passempfänger Mike Schallo erwies sich immer wieder als fangsichere Anspielstation. Ergänzt wird das starke Passspiel durch Runningback Joseph Bergeron.

Mit 337 gegnerischen Punkten auf dem Scoreboard könnte sich die Defense als Achillesferse des Teams erweisen. Nur die Ingolstadt Dukes nahmen unter allen Playoff-Teilnehmern mehr Gegenpunkte hin.

Die Spannung ist also gegeben, wenn es im Viertelfinale zum mit heiß erwarteten Duell mit Frankfurt Universe kommt. Werden es die Sachsen erneut ins Halbfinale schaffen oder werden sie erstmals seit 2011 nicht unter den vier besten Teams in Deutschland vertreten sein?

 

Die Außenseiter: Berlin Rebels, Ingolstadt Dukes und Marburg Mercenaries

 

Berlin Rebels

Eines ist den Berlin Rebels sicher: Sie sind die klare Nummer eins in der Bundeshauptstadt und haben dem früheren GFL-Schwergewicht Berlin Adler nicht nur stadtintern den Rang abgelaufen. Dabei hatten die Rebels als letztes der acht Playoff-Teams ihr Ticket für die K.o-Runde gelöst und sich im Fernduell mit den Cologne Crocodiles nur knapp durchgesetzt.

Der Quarterback heißt James Harris und seine liebste Anspielstation ist der Belgier Alex Tounkara. Zusätzlich haben sich die Rebels noch den letztjährigen Quarterback Terrell Robinson zur Verstärkung geholt. Die Stärke liegt aber vor allem im Laufspiel über Runningback Larry McCoy. Es kommt also nun zu einer Neuauflage des Vorjahresduells, das die Rebels 14:24 gegen die Unicorns verloren hatten.

 

Ingolstadt Dukes

Die Ingolstadt Dukes sind der große Überraschungsteilnehmer in den Playoffs. In einer Staffel, in der nahezu jedes Team mit Ambitionen gestartet war, hat der Aufsteiger gleich in seiner Premieren-Saison die Allgäu Comets, die Stuttgart Scorpions, die Munich Cowboys und die Saarland Hurricanes hinter sich gelassen – letztere müssen gar in die Abstiegsrelegation.

Die Mannschaft von Head Coach Eugen Haaf hat mit der Teilnahme an den Playoffs damit bereits alles erreicht und ist im ersten Duell der Vereinsgeschichte mit den New Yorker Lions klarer Außenseiter. Vor allem weil der äußerst starke Quarterback Rick Webster verletzt ist. Er spielte gegen Anraten der Ärzte gegen die Stuttgart Scorpions, um den Playoff Platz zu sichern, danach wurde er geschont. Der US-Amerikaner hatte bis zu seinem Ausfall bessere Pass-Statistiken als Marco Ehrenfried von den Unicorns.

 

Marburg Mercenaries

Erstmals seit 2014 sind die Marburg Mercenaries wieder in den Playoffs vertreten. Die Hessen profitierten dabei von einem formidablen Saisonstart mit insgesamt sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen. Danach ging die Formkurve mit nur noch zwei Siegen aus den restlichen sieben Spielen allerdings steil nach unten.

Bei den Kiel Baltic Hurricanes sind die Marburger entsprechend Außenseiter, zumal sie mit 344 erzielten Punkten die wenigsten aller Playoff-Teams auf dem Konto haben. Quarterback Chad Jeffries wird sich entsprechend etwas einfallen lassen müssen.

 

Die Abstiegs-Relegation

 

Berlin Adler vs. Potsdam Royals

Zwei starke Teams der letzten Jahre müssen um ihre Erstliga-Zugehörigkeit zittern. Zwar liegen die Glanzzeiten von Berlin Adler schon einige Jahre zurück – die letzte Playoff-Teilnahme gelang 2013 – doch so wirklich kann man sich eine GFL ohne den Hauptstadt-Club nicht vorstellen. Doch einem Auftaktsieg bei den Hamburg Huskies folgten 13 Saisonniederlagen am Stück.

In der Relegation bekommen es die Adler ausgerechnet mit den Berliner Vorstädtern der Potsdam Royals zu tun. Sollten die Brandenburger, die in der GFL2-Nordstaffel eine Perfect Season hingelegt und mit 714 zu 172 Punkten sowohl die beste Offense als auch die beste Defense der GFL2 gestellt haben, die Berliner wirklich in die Zweitklassigkeit schicken,wäre der Worst Case für den sechsmaligen Deutschen Meister perfekt.

 

Saarland Hurricanes vs. Kirchdorf Wildcats

Die Saarland Hurricanes blicken auf einen ähnlichen Saisonverlauf wie Berlin Adler zurück, hatten aber den Ausfall von Nationalmannschafts-Quarterback Alexander Haupert zu verkraften, dessen Fehlen letztendlich nicht zu ersetzen war. Die Saarbrücker waren mit zwei Siegen in die Saison gestartet, verloren dann aber ohne Haupert die restlichen zwölf Saisonspiele hintereinander.

Der Relegationsgegner, die Kirchdorf Wildcats, hoffen hingegen auf ihren ersten Aufstieg in die GFL. Bereits dreimal hatten sich die Bayern als GFL2-Meister der Südstaffel für die Relegation qualifiziert – dreimal hatten sie den Kürzeren gezogen. Im vierten Anlauf soll der erste Aufstieg nun endlich gelingen.

 

Die Spieltermine:

 

Playoffs:

 

16. September, 16 Uhr: Kiel Baltic Hurricanes vs. Marburg Mercenaries

16. September, 17 Uhr: Schwäbisch Hall Unicorns vs. Berlin Rebels

16. September, 18 Uhr: New Yorker Lions Braunschweig vs. Ingolstadt Dukes

17. September, 15 Uhr: Frankfurt Universe vs. Dresden Monarchs

           

Die Relegation, Hinspiele:

16.  September, 15 Uhr: Berlin Rebels vs. Potsdam Royals

            16. September, 15 Uhr: Saarland Hurricanes vs. Kirchdorf Wildcats

 

Die Relegation, Rückspiele:

 

            30. September, 15:30 Uhr: Potsdam Royals vs. Berlin Rebels