Die Geschichte des American Football

American Football: von den Anfangszeiten bis heute

American Football ist heute eine der populärsten Sportarten der Welt, wenngleich sich ein Großteil der Fans naturgemäß nur in den USA aufhält. Auch hierzulande gewinnt die Sportart jedoch an Beliebtheit – und so kann es nicht schaden, einen näheren Blick auf das ebenso traditionsreiche wie komplexe American Football zu werfen.

American Football – die Anfänge

Wir drehen das Rad der Zeit zurück in die 1870er: Fußball und Rugby waren bereits bekannt und American Football – diesen Begriff gab es damals noch nicht – war eine Mischung dieser beiden Sportarten. Als allgemein akzeptiertes Datum für einen der wichtigsten Grundbausteine des späteren American Footballs gilt der 6. November 1869, als Studenten der Ivy-League-Universität Princeton und der etwas weniger hoch angesehenen Rutgers-Universität aufeinandertrafen.

Dieses erste Spiel war Fußball noch sehr ähnlich: Segmente wie Offense und Defense gab es nicht, stattdessen fanden viele Ballwechsel zwischen den Spielern einer Mannschaft statt – ähnlich wie beim Fußball. Von einem Spiel, wie wir es heute American Football nennen würden, waren diese ersten Gehversuche noch weit entfernt. 1874 kam es zu einem weiteren wichtigen Zusammentreffen, als die Mannschaften der McGill-Universität aus Montreal (somit hatte Kanada ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung des American Footballs inne) und Harvard gegeneinander spielten. Hier wurde bereits eine Mischung aus Rugby und Fußball ausprobiert, die sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu dem entwickeln sollte, was heute American Football ist.

Eine wichtige Rolle beim Denkanstoß für heutige Regeln schreiben die Geschichtsbücher übrigens einem frustrierten Spieler zu, der den Ball gelangweilt in die Hand nahm – damals ein Verstoß gegen die Fußball-ähnlichen Regeln – und einfach in das Tor lief. Einige Zuschauer waren empört, andere wiederum erkannten das Potenzial, das in dieser Idee steckte.

Der erste Star des American Footballs

Der erste wichtige Name einer einzelnen Person im American Football lautet Walter Camp. Der am 7. April 1859 geborene Camp wuchs in einer Zeit auf, als Fußball hinsichtlich der Popularität das Maß aller Dinge war. 1876 spielten schließlich die Universitäten Harvard und Yale gegeneinander, damals noch im Rugby. Walter Camp war auf Seiten von Yale ebenfalls Mitglied dieser Partie. Camp allerdings fand wenig Spaß an dem Spiel, was seiner Aussage nach vor allem an den Regeln lag. Erfinderisch wie Camp war, hat er jene Regeln einfach etwas verändert – und so das ins Leben gerufen, was wir heute als American Football bezeichnen.

Anschließend begann er selbst im Zeitraum von 1877 bis 1882 zu spielen und später – zwischen 1888 und 1891 – Trainer des offiziellen Football-Teams der Yale-Universität zu werden. Da er selbst aus Anleihen von Fußball und Rugby praktisch das Spiel erfunden hat, unterlag es auch ihm, das Regelwerk permanent zu verändern und im Interesse eines Wettkampfsports fairer zu gestalten:

  • Walter Camp legte die Spielerzahl erstmals auf elf Personen pro Team fest. Sieben davon fanden sich in der Angriffsformation vor, weitere vier Spieler besetzten den Rückraum.
  • Ein Team hat für jeweils drei Versuche exklusiven Ballbesitz. Vor Camp war einfach das Team in Ballbesitz, das dem gegnerischen Team den Ball entreißen konnte.
  • Zwischen September und November wurden insgesamt etwa zehn Spiele ausgetragen, die durch US-amerikanische Feiertage einen klar definierten Anfang und ein gesetztes Ende hatten. Damit wurde eine Art Ligabetrieb bereits frühzeitig eingeführt, obwohl damals noch nicht ansatzweise von einer NFL-ähnlichen Vereinigung gesprochen werden konnte.

Zwar ist Walter Camp nicht mit den heutigen Stars des American Footballs vergleichbar – der Sport war nach wie vor eher in einer Nische angesiedelt und die meisten Menschen hätten bei der Erwähnung des Namens nur mit den Schultern gezuckt –, doch für die Entwicklung des Sports gab es keine wichtigere Person als ihn.

American Football erlebte seinen ersten kleinen Boom, als Camp eine Auswahlmannschaft der besten Spieler der Ivy-League-Universitäten zusammenstellte und sie als All America-Team bezeichnete. Eine Ehrung des damaligen US-Präsidenten Grover Cleveland schürte das Interesse der breiten Bevölkerung an der Sportart, und so waren mit 30.000 Zuschauern besetzte Stadien ab den 1890ern keine Ausnahme mehr. Professionelle Ansätze mit Wettkämpfen, die auch außerhalb von Universitäten stattfanden, gab es schon damals. Die heutigen Zustände, in denen American Football bereits im Collegealter gespielt wird, waren damals jedoch kaum vorhanden.

Walter Camp entwickelte den American Football bis 1925 weiter, als er bei einer Zusammenkunft des Regelkomitees an einem Herzinfarkt starb.

Professionalisierung des American Footballs

Eine weitere wichtige Person der frühen Entwicklung des American Footballs war William Heffelfinger. Am 18. November 1892 spielten die Allegheny Athletic Association (AAA) und die Pittsburg Atheletic Association (PAA) – weitgehend vergleichbar mit Sportclubs, die verschiedene Sportarten auf einem soliden Niveau ausübten – gegeneinander. Heffelfinger war damals bereits ein bekannter Footballspieler, der unter anderem an der University of Minnesota spielte. Seine außerordentliche Spielstärke war dafür verantwortlich, dass sowohl AAA als auch PAA Heffelfinger für das anstehende Spiel gewinnen wollten – notfalls auch mit Geldmitteln, obwohl es bei dem Spiel um keinen finanziellen Preis ging. Die Spieler kämpften allein der Ehre wegen.

Am Ende gewann die AAA mit 4:0 – vor allem dank Heffelfinger, den die AAA mit 500 US-Dollar plus 25 US-Dollar Geld für die Reise und weitere Spesen gewinnen konnte. Er erzielte den einzigen Touchdown des Spiels. Dabei muss man bedenken, dass 525 US-Dollar vor etwa 130 Jahren mehreren tausend US-Dollar in heutiger Währung entsprechen. Wie sich später herausstellte, hatte die PAA immerhin 250 US-Dollar geboten. Aus dem vergleichsweise kleinen Geplänkel entwickelte sich jedoch die Bewusstheit, dass Vereine für die wirklich herausragenden Spieler, die ein Match fast alleine entscheiden konnten, Geld bezahlen würde.

Somit war der erste Schritt zum Profifootball getan: Einzelne Universitäten, Clubs und andere Vereinigungen begannen nun, ihren besten Spielern ein Gehalt zu bezahlen. Damals lag dies zwischen 50 und 500 US-Dollar für die allerbesten Akteure auf dem Spielfeld – ein Gehalt, das mit „normalen“ Jobs damals nicht ansatzweise verdient werden konnte.

American Football und sein erster Skandal

Ein erstes großes Problem bekam der American Football nicht etwa durch Alkoholeskapaden einzelner Spieler, sondern durch die Regeln selbst: 1892 führte Lorin F. Deland eine Keilformation für die Angriffsspieler ein, die Flying Wedge genannt wurde. Einige Spieler hakten sich an den Armen ineinander ein, rannten auf die Line of Scrimmage zu und blockten dabei alle anderen Spieler des verteidigenden Teams. Seit 1894 ist diese Formation verboten, da ihretwegen eine hohe Anzahl an Spielern teilweise schwere Verletzungen davongetragen haben oder sogar auf dem Spielfeld verstarben. Noch 1905 – also elf Jahre nach dem Verbot – starben insgesamt 18 Spieler am Flying Wedge.

Der damalige Präsident Roosevelt – selbst ein großer Fan des American Footballs – wollte dies nicht länger mit ansehen und erzwang daher Änderungen am Regelwerk. Man muss bedenken: Eine Ausrüstung gab es praktisch gar nicht, bis zum besagten Jahr 1905 spielten die meisten Spieler (wenn überhaupt) nur mit einer Ledermütze auf dem Kopf, die mehr schlecht als recht gegen Verletzungen schützte.

Ab jetzt ging es schneller: 1912 entsprachen die American Football Regeln praktisch der heutigen Variante mit einigen Abweichungen im Detail. Durch den Vorwärtspass wurde eine Änderung eingeführt, die das Spiel nun klar vom deutlich körperbetonteren Rugby abgrenzte. Auch die Punkte für einen erzielten Touchdown wurden auf sechs angehoben, in den vorherigen Jahren schwankte die Anzahl zwischen zwei und fünf Punkten.

In dieser Zeit wurde auch die Größe des Spielfelds noch einmal geändert: Die 120 Yards für die Länge und 53 Yards für die Breite (etwa 109,73 Meter und 48,46 Meter) verdanken ihre Dimensionen dem Spielfeld von Harvard, das fortan als Schablone für andere Footballfelder im ganzen Land diente. Die Einführung der Endzonen – ebenfalls im Jahr 1912 – markierte einen weiteren wichtigen Punkt in der Entwicklung des Spiels.

American Football auf dem Weg in die Neuzeit

1920 einigten sich die großen Universitäten und weitere wichtige Organe des Sports darauf, den American Football in einer eigenen Liga zu professionalisieren. Kurzzeitig war diese Liga unter dem Namen American Professional Football Association bekannt, schon 1922 erfolgte jedoch die Umbenennung in die bis heute bekannte National Football League, kurz: NFL.

Zwar ging es jetzt eindeutig darum, das Spiel deutlich bekannter zu machen und Geld damit zu verdienen. Zu Beginn verlief die Laufbahn vieler Teams in der NFL allerdings im Sande: Im ersten Jahrzehnt der NFL stießen neue Teams hinzu, verschwanden kurze Zeit später wieder und versprachen aufgrund des niedrigen Spielniveaus ohnehin nicht viel Gutes. Von allen Teams, die in dieser Anfangsphase der NFL dabei waren, sind heute nur noch zwei Mannschaften übrig: die heutigen Arizona Cardinals (damals als Chicago Cardinals bekannt) und die Chicago Bears, die früher als Decatur Staleys bekannt waren.

Anders als heute waren farbige Spieler insbesondere in diesen ersten Jahrzehnten eine Ausnahme: Zwischen 1933 bis 1945 beispielsweise war kein einziger dunkelhäutiger Spieler in der NFL aktiv. Die Teambesitzer in dieser Zeit tauften diesen Verzicht sogar auf den aus heutiger Sicht überaus zynischen und rassistischen Namen Gentlemen’s Agreement. Ende der 1950er, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde diese Absprache aufgelöst und schwarze Spieler hielten einen äußerst erfolgreichen Einzug in die NFL, der bis heute andauert.

Die ersten NFL-Drafts fanden 1936 statt. Am 8. Februar war es Jay Berwanger, den die Philadelphia Eagles ausgewählt hatten. Letztendlich sollte er fast bei den bereits genannten Chicago Bears landen, was am Ende jedoch an den Gehaltsvorstellungen Berwangers scheiterte: 25.000 US-Dollar für zwei Jahre waren zu viel für das Team und so spielte Berwanger nie in der NFL. Den Titel als ersten gedrafteten Spieler der Geschichte behält er natürlich trotzdem.

American Football heute

Einen wichtigen Meilenstein markierte der breitflächige Einzug des Fernsehens in den 1960ern in US-Haushalten. Plötzlich stand American Football einem Millionenpublikum offen. Sponsorengelder stiegen rasant, die Teams profitierten dazu von Geldern für die Übertragungsrechte. Mitte der 1970er wuchs American Football zur bis heute wichtigsten Sportart in den USA heran. Seit 1973 sind einzelnen Spielern feste Trikotnummern zugewiesen und 1976 erweiterte die NFL die Liga auf 28 einzelne Teams. Es ging in dieser Zeit Schlag auf Schlag, sodass in den nächsten Jahren unter anderem die Erweiterung auf 16 anstelle von 14 Spieltagen stattfand, dazu kamen Funkmikrofone für Schiedsrichter im Jahr 1975, wodurch die Kommunikation der Unparteiischen erleichtert wurde.

Jetzt verbreitete sich American Football auch ins Ausland: Am 17. August 1976 kam es in Tokio zum ersten Aufeinandertreffen zweier US-Teams in Japan. Auch der Super Bowl, der in der heute bekannten Form seit 1967 existiert, wuchs bis heute hinsichtlich seiner Popularität und ist jetzt das wichtigste und mit Abstand größte Sportereignis in den USA.

Heutige Mannschaften würden im Vergleich zu den Pionieren von 1890 nicht mehr wiederzuerkennen sein: Die Ausrüstung besteht aus High-Tech-Kunststoffen, die gleichzeitig leicht und extrem bruchsicher sind. Brustpanzer, Nackenschutz und insbesondere Helme mit Gesichtsgittern aus Titan oder ähnlichen Metallen sind so stabil, dass Verletzungen heute nur noch die Ausnahme und nicht mehr die Regel sind.

In Deutschland ist American Football nach wie vor weitaus weniger beliebt als etwa Fußball, was unser Land aber nicht daran hindert, nicht ebenfalls großartige Spieler hervorzubringen: Sebastian Vollmer und Markus Koch sind zwei große Namen, denen es mit den New England Patriots und den Washington Redkins gelang, den Super Bowl teilweise sogar mehrmals zu gewinnen – gute Aussichten für einen wachsenden Aufstieg des Sports auch hierzulande.

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