"Eine Absage wäre verfrüht"


Es sind ungewisse Zeiten in unserer Gesellschaft - das gilt auch für den deutschen Football und für die Bad Homburg Sentinels und einen möglichen Spielbetrieb 2020. Das oberste Gebot zurzeit heißt "Abwarten und Beobachten", auch wenn das eigentlich nicht so geplant war.

 

Bad Homburg Sentinels beim Huddle
Bad Homburg Sentinels
Foto: Dimi Zibart

Normalerweise sollte diese Woche das Freundschaftsspiel gegen die Wiesbaden Phantoms ausgewertet und im Training aufgearbeitet werden. Stattdessen sind die Sportanlagen in Bad Homburg weiter geschlossen und an ein Team-Training ist zurzeit nicht zu denken. In knapp zwei Wochen sollten dann die Gießen Golden Dragons zum Saisonauftakt ins Sportzentrum Nordwest reisen. Ob und wann der GFL II-Absteiger in die Kurstadt reist - steht in den Sternen. Generell dreht sich alles um die Frage, ob es in Deutschland überhaupt einen Spielbetrieb geben wird in diesem Jahr. Der 2. Vorsitzende des Vereins Maximilian Schwarz mahnt zur Geduld und hält eine Suspendierung oder sogar Absage des Spielbetriebs für verfrüht.

"Es muss das oberste Ziel sein einen Spielbetrieb gewährleisten zu können. Wenn man sich überlegt wie sich die Situation innerhalb eines Monats entwickelt hat, wäre es meiner Meinung nach viel zu früh einem möglichen Spielbetrieb ab August einen Riegel vorzuschieben. Absagen kann man die Saison immer noch im Juni oder Juli.", kommentiert der 25-jährige Gründer die Situation. Auch gegen Geisterspiele würde sich der Verein nicht verschließen. "Wir würden auch einen Teil der Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen. Man muss dann eben das Beste aus dieser Situation machen und einen vermarktbaren Livestream anbieten und über Werbegelder fehlende Einnahmen teilweise kompensieren."

Bevor es aber überhaupt soweit kommen kann, müsste das Team sich vier bis sechs Wochen lang auf das erste Spiel vorbereiten können. Das ist laut Defensive Coordinator Connor Shannon zwar nicht optimal, aber trotzdem möglich. "Am Ende haben alle Teams die selben Probleme und keiner würde durch eine kurze Vorbereitungszeit bevorteilt werden. Trotzdem müssten wir im Juni auf den Platz zurückkehren können - als Team. Auch Kleingruppen-Training wäre für uns eine Option, ähnlich wie es das ein oder andere GFL-Team bereits praktiziert. Das, zusammen mit Theorie-Einheiten wäre ein guter Start in Richtung Trainingsbetrieb.", verrät der gebürtige US-Amerikaner.

Nachdem der Footballverband Rheinland-Pfalz/Saarland seinen Spielbetrieb für alle Teams ab der vierten Liga suspendiert hatte, zog diese Woche der bayrische Football-Verband nach und setzte den kompletten Spielbetrieb ab der vierten Liga aus. Eine Entscheidung, die zurzeit wohl weder der hessische Footballverband, noch der AFVD treffen werden. "Eine Absage des Spielbetriebs würde uns derzeit nichts bringen als Verein. Es wird zwar immer wieder von Planungssicherheit gesprochen, aber das größere Probleme ist, dass wir vertraglich geregelte Sponsoren-Leistungen nicht erbringen können und diese höchst wahrscheinlich 2021 nachholen müssen, ohne erneute Einnahmen für diese Leistungen generieren zu können. Gleichzeitig werden viele Unternehmen geschwächt aus dieser Krise herausgehen und das Sponsoring wird eins der Budgets sein, das zunächst gekürzt werden muss.", ergänzt Schwarz Informationen über die wirtschaftliche Seite einer Absage.

Der Verein sei finanziell für ein Jahr ohne Spielbetrieb gewappnet, würde aber lieber einen komprimierten Spielplan in Kauf nehmen, als gar nicht zu spielen. Die Vermarktung des Vereins müsse gewährleistet sein und ohne den Hauptbetrieb gibt es nichts zu vermarkten. Die nächsten Gespräche der Bundesländer am 30. April sollen auch mehr Informationen zum Sport in Deutschland produzieren. Der Optimismus ist bei den Verantwortlichen vorhanden, am Ende hat man es aber nicht in der Hand. "Football ist nun mal unsere Hauptbeschäftigung in diesem Verein. Dennoch sollte man nie vergessen, dass die Gesundheit der Menschen an erster Stelle steht. Alle Planungen und Gedankenspiele die wir betreiben, stehen unter dem Aspekt, dass Menschen durch diese Handlungen nicht gefährdet werden. Sollte das gegeben sein, freuen wir uns, wenn das Leder-Ei doch noch durch die Kurstadt fliegt. Wenn nicht, wird sich die Welt trotzdem weiter drehen.", gibt Schwarz zu Bedenken.

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