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AFVD im Abseits


Die EM 2018 findet ohne Titelverteidiger Deutschland statt. Es ist das vorläufige Ende eines Machtgerangels auf Weltebene - mit dem AFVD als Verlierer.

AFVD im Abseits
AFVD im Abseits

Ein Kommentar von Markus Schulz

Es ist vollbracht! Der AFVD hat es geschafft, sich und damit den deutschen American Football international ins Abseits zu stellen. Die Europameisterschaft 2018, die eigentlich in Deutschland hätte stattfinden sollen, findet nun in Finnland statt. Und das gänzlich ohne deutsche Beteiligung, ohne den Titelverteidiger auf dem Gridiron.

Vorausgegangen war ein internationales Machtgerangel innerhalb des Football-Weltverbandes IFAF. Doch anstatt sich dem CAS-Urteil zu beugen und den Weltverband mit Sitz in New York als neues Oberhaupt im Welt-Football zu akzeptieren und sich anzuschließen, setzt der AFVD in einer Grundsatzerklärung auf das „europäische Sportmodell“. In dieser Erklärung begründet der deutsche Football-Dachverband, der für über 63.000 Mitglieder zuständig ist, diese Entscheidung u.a. mit dem Kampf gegen das Doping und macht der IFAF zum Vorwurf, keinen geregelten Spielbetrieb in ihren Ländern zu betreiben, als Serviceorganisation Leistungen für Spieler und Trainer gegen Entgelt anzubieten und den Weltverband nach Maßgabe des auf Kapitalgesellschaften basierenden amerikanischen Sportmodells auszurichten.

Doch was ist von dem „europäischen Sportmodell“ für den American Football eigentlich noch übrig? Während es fast alle anderen Verbände Europas schafften, sich der IFAF in New York anzuschließen, stellte sich der AFVD schmollend in die Ecke. Es riecht nach Machtverlust auf internationaler Ebene und das schmeckt dem deutschen American Football Verband überhaupt nicht.

Dabei war der Einfluss des AFVD in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene gestiegen. Huber und sein schwedischer Kollege Tommy Wiking (nebenbei lange Zeit Präsident der IFAF in Paris) hatten massiven Einfluss. Wäre da nicht das Fiasko um die abgesagte Weltmeisterschaft 2015 in Schweden gewesen. Wiking hatte eine große Veranstaltung angekündigt, musste dann aber ein halbes Jahr vorher kleinlaut mitteilen, dass sein Verband die Aufgabe doch nicht würde stemmen können. Infolgedessen trat er als Präsident des Weltverbandes zurück, um nur einen Tag später von seinem Rücktritt nichts mehr gewusst haben zu wollen. Doch den Rücktritt vom Rücktritt kassierte der Internationale Sportgerichtshof CAS im Frühjahr diesen Jahres wieder ein, was massiven Machtverlust für die IFAF in Paris und alle ihre Anhänger bedeutete.

Darunter der AFVD und der italienische Verband, die zum europäischen Sportmodell stehen. Die Frage, wie es in dieser Konstellation überhaupt für die deutsche Nationalmannschaft weitergehen wird, drängt sich dabei auf. In diesem Sommer, wenn Finnland, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Österreich und Frankreich um den EM-Titel kämpfen, ist der Titelverteidiger jedenfalls zum Zuschauen verdammt und mit ihm der deutsche Football-Fan. Fraglich ist, welchen sportlichen Wert eine EM als Einladungsturnier ohne den Titelverteidiger und das zuvor qualifizierte Italien hat.

Der AFVD hat sich derweil schon wieder seiner alltäglichen Arbeit hingegeben und verkündet, dass der German Bowl nun im kommenden Oktober zum siebten Mal in Folge im Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Berlin ausgetragen wird, bei Sport1 live übertragen wird.

Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Wie viele einst ruhmreiche Vereine sind in den letzten Jahren aus finanziellen Gründen in der Versenkung verschwunden? Die Hamburg Blue Devils, die Mönchengladbach Mavericks, die Cologne Falcons, um nur wenige zu nennen. Dem AFVD geht es derweil prächtig.

Doch wo bleiben die Reaktionen von der Basis? Von Spielern, die mehrmals in der Woche in Trainingseinheiten und Spielen zum überwiegenden Großteil unentgeltlich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Von all den Ehrenamtlichen in den Vereinen und Landesverbänden, die mit Liebe für ihren Sport einstehen während „oben“ anscheinend nur der Profit zählt ? Seit zwei Dekaden sitzt Präsident Huber schon an der Macht des deutschen Footballs. Die Entwicklung von American Football in Deutschland in dieser Zeit ? Steigende Mitglieder- und Vereinszahlen – ansonsten fristet der Sport weiterhin ein Nischendasein, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle. Und das zu Boom-Zeiten dank der Free-TV-Präsenz des großen Schlachtschiffes NFL.

In einer aktuellen Stellungnahme gegenüber ran.de bestreitet Huber, das der deutsche Verband über das CAS Urteil und die Bestätigung von Richard McLean als neuen legitimen Präsidenten der IFAF bislang informiert wurde. Und er signalisiert gleichzeitig Gesprächsbereitschaft über eine zukünftige Zusammenarbeit, sobald das Urteil vorliegt. Außer der eigenen Ankündigung von Richard McLean, in welcher er sich auf dieses aktuelle Urteil bezieht, gibt es momentan keine weiteren validen Informationen. Von der CAS selbst wurde bislang dazu noch nichts veröffentlicht. Doch genau die Veröffentlichung dieses Urteils wird von allen American Footballfans sehnsüchtig erwartet, damit endlich Klarheit besteht, wo diese Reise hingehen wird ?